31. Geseker Schweineabend – Rückblick

Der 31. Geseker Schweineabend fand zum dritten Mal in der Aula des Gymnasium Antonianum statt.

Im Rahmen der Veranstaltung, zu der ca. 350 Gäste erschienen, fand auch wieder eine kleine Fachausstellung mit 17 Ständen statt. Unter den Ausstellern befanden sich Unternehmen aus den Bereichen Zucht, Stallbau, Hygiene, Pharmazie und Beratung.

Es wurden 3 Fachvorträge zu verschiedenen Themen gehalten. Außerdem stellte Thomas Hans von der Werbeagentur Husare im Auftrag der Landwirt schafft Leben GmbH die Image-Kampagne „Von Bauern für Bauern“ vor und warb für eine Mitgliedschaft zur Finanzierung.

Der erste Vortrag mit dem Titel „Nutztierhaltung im Spannungsfeld von Ziel- und Interessenkonflikten“ wurde von Prof. Blaha (stellvertretender Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung Tierschutz e.V.) gehalten. Zuvor wurden Schülerkommentare zur Nutztierhaltung nach einem Stallbesuch auf die Leinwand projiziert. Übereinstimmend befanden sie, dass die Haltungsbedingungen der Schweine verbessert werden müssten, sie hatten aber auch verstanden, dass es zu den üblichen Marktpreisen durch die Landwirte alleine nicht finanzierbar ist. Der Gymnasiallehrer Christoph Ehlebracht fasste die Gedanken zu diesem Thema vor dem Auditorium treffend zusammen: “Will man andere Haltungsformen, so ist die Mehrheit der Gesellschaft dazu aufgerufen zu akzeptieren auch deutlich höhere Preise zu bezahlen.“

In seinem Vortrag sprach Prof. Blaha davon, dass es keine gesellschaftliche Akzeptanz der gängigen Haltungsformen in der Nutztierhaltung mehr geben werde und dass diese auch nicht mehr ethisch vertretbar seien. Der Grund für den Dissens und für den Anspruch der heutigen Gesellschaft, den Tieren bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen, sei der Wohlstand, in dem Nahrungsmittel im Überfluss verfügbar sind. Im Bemühen um Veränderungen stehen verschiedene Ziele im Konflikt zueinander. Sobald ein Ziel unterstützt wird, hat das Auswirkungen auf alle anderen Ziele.

 

Zielkonflikte:

Der Wandel zu einer artgerechten Haltung sollte besser in kleinen Schritten mit Zwischenzielen erfolgen als in einem großen Schritt, der die Landwirtschaft überfordere. Die Mehrkosten der Produktion müssten von der Gesellschaft getragen werden. Wenn der Lebensmittelhandel generell die Preise erhöht, werde eine gesellschaftliche Akzeptanz, vergleichbar zum Benzinpreis, zu erwarten sein.

Im zweiten Vortrag berichtete Prof. Timm Harder (Friedrich-Löffler-Institut) über die aktuelle Entwicklung im Bereich der Influenza beim Schwein. Es könne überregional festgestellt werden, dass die Vermischung oder Neuverteilung genetischer Informationen verschiedener Virustypen (Reassortierung) eine erhebliche Dynamik gewonnen habe, wodurch sich eine Vielzahl unterschiedlicher Virustypen gebildet habe, die sich auch regional deutlich unterscheiden. Hinzu komme das zoonotische Potenzial durch die pandemischen Varianten, deren Gefahr für die Menschen noch gar nicht eingeschätzt werden könne. Im Markt verfügbare Impfstoffe verlieren allmählich ihre Wirkung, so dass Neuentwicklungen mit regional neu zusammen gesetzten Virusstämmen oder gar stallspezifische Impfstoffe zum Einsatz kommen sollten.

Dr. Eckhard Meyer (LfULG – Lehr- und Versuchsgut Köllitsch) demonstrierte in seinem Referat seine Gedanken zum Stall der Zukunft, der die kritischen Aspekte hinsichtlich der körperlichen Unversehrtheit der Tiere, der käfigähnlichen Strukturen, der Strukturlosigkeit der Haltungsumwelt, dem Platzangebot und der Hochleistung der Tiere aufzeigen sollte. Ställe der Zukunft sollten in 2 Klimazonen aufgeteilt sein. Dabei müssten gut gedämmte Bereiche den Tieren Schutz vor Kälte, aber zunehmend auch vor Hitze (Klimawandel) bieten. Offenställe stellen gerade im Sommer ein Problem für die Tiere dar, wenn keine Kühlvorrichtungen vorhanden sind.

Für die Bewegungsbucht im Abferkelstall werden, basierend auf eigene Untersuchungen, klare Vorgaben zur Form (Trapezform im Verhältnis 3:2) und Größe (maximal 6 – 7 m2) gemacht. Das Verhältnis zwischen Fluchträumen für die Ferkel und dem Platzangebot für die Ferkel sollte im Verhältnis kleiner als 1:1,5 sein.

Zum Kupierverzicht erklärte Dr. Meyer, dass nach eigenen Beobachtungen den Tieren eine gesteigerte Unruhe angezüchtet wurde, die ein gehäuftes Schwanzbeißen begünstige.

Die Vorträge von Dr. Meyer und Prof. Blaha haben wir bereits als PDF-Datei zum Download und zum Nachlesen bereitgestellt. Eine Freigabe für den Vortrag von Prof. Harder werden wir voraussichtlich im April erhalten.