Tierschutz in der Nutztierhaltung | Bericht

 

Juni 2015 – Tierwohl und Tierhaltungsstandards in der Schweinehaltung – der 26. Geseker Schweinetag –

Trotz des ausgewöhnlichen Termins für den 26. Geseker Schweinetag kamen am 18. Mai über 200 Interessierte, um sich über die über aktuelle tierschutzrelevante Themen in der Schweinehaltung zu informieren.
Die deutsche Schweinehaltung sieht sich einem zunehmenden medialen und politischen Druck ausgesetzt, Tierhaltungs- standards zu überdenken und zu verändern. Bedingt durch den breiten Interpretationsspielraum der bisherigen Gesetze und Verordnungen und dem Verbandsklagerecht von sogenannten Tierschutzorganisationen sehen sich vor allem junge Landwirte einer großen Rechtsunsicherheit ausgesetzt, ob und wie sie zukünftig in Ihre Betriebe und in die Schweinehaltung investieren können.
Als erster Referent stellte Dr. Dirk Hesse, AGRIKontakt Braunschweig, die grundlegenden Schwierigkeiten bei der Interpretation von Tierverhalten und den daraus abzuleitenden Haltungskriterien für Schweine vor. Aus dem Fundus seiner jahrzehntelangen Erfahrung zeigte er an ganz konkreten und anschaulichen Beispielen natürliche Verhaltensmuster unserer Hausschweine auf und wie die gesetzlichen Regelungen zu interpretieren sind. Intensiv ging er auf das Verhalten von Sauen in der Gruppenhaltung ein, mit ihrem Bedürfnis nach engem Körperkontakt und auf eine daraus möglicher Weise abzuleitenden Anforderung an Kastenstände für die Sauen im Wartestall. Einen Tierschutz mit Zollstock lehnt er ab.
(Vortrag | Hesse – Auge oder Hirn)
Ein weiterer Punkt, der in der jüngsten Vergangenheit zu Unsicherheiten bei den Schweinemästern geführt hat, ist die Bewertung von Verletzungen, Krankheiten und Anomalien von Schlachtschweinen und deren Bedeutung für die Vermarktung und Schlachtung dieser Tiere. Dr. Katja Bleis vom Schlachthof in Coesfeld konnte hier mit vielen Bildern zeigen, worauf Mäster bei Ihren Tieren beim Verkauf zu achten haben. Die grundlegenden Unterschiede zwischen Transportfähigkeit und Schlachtfähigkeit wurden genauso intensiv beleuchtet, wie der Umgang mit erkrankten oder bedingt schlachtfähigen Tieren.
Als letzter Referent hat Prof. Dr. Hopp vom Kreisveterinäramt in Soest noch einmal viele wichtige Eckpunkte seiner täglichen Kontrollarbeit und der Ausführung der Nutztierhaltungsverordnung erläutert. Gleichzeitig mahnte er alle Anwesenden an, zu erkennen, dass sich die gesellschaftliche Sicht auf die Tierhaltung einem gravierenden Wandel unterzogen habe, und dass jeder Tierhalter selbst gefragt ist, das Wohl seiner Tiere zu verbessern. Auch Prof. Hopp wandte sich gegen einen Tierschutz mit Zollstock, unterstrich aber, dass die grundlegenden Haltungsanforderungen nicht verhandelbar sind.
Abschließend führte Herbert Nagel mit einigen Bildern aus der Praxis eine offene Diskussion mit den Referenten und dem Auditorium, bei der ein hohes Maß an Übereinstimmung, aber auch in einigen Fragen auch noch eine gewisse Differenz zwischen Behörden und Tierhaltern nicht zu verkennen war. Hohes Ziel der Veranstaltung war es in der finalen Diskussion zusammen mit den eingeladenen Tierschutzverantwortlichen aus 12 Landkreisen über diverse konkrete Probleme zu diskutieren und ein gemeinsames Bewerten zu erzielen. Leider waren nur 4 Landkreise der Einladung gefolgt, sodass dieses Ziel nur bedingt erreicht werden konnte.
Am Ende der Veranstaltung verkündete Herbert Nagel noch nach 25 Jahren seinen Rückzug von der aktiven Bühne als Moderator der Veranstaltung. Er wird die Geschicke dieser Veranstaltung zukünftig nur noch aus dem Hintergrund mit begleiten. Dr. Franz Lappe wurde als sein Nachfolger vorgestellt, der schon diese Veranstaltung maßgeblich organisiert und vorbereitet hat.